17.08.2018 - Märkte: FMM-Strategie

Maerkte-FMM-Strategie

Defensiv positionieren, aber investiert bleiben

Das Analystenteam von DJE beobachtet und bewertet die Märkte laufend anhand der hauseigenen FMM-Methode nach fundamentalen, monetären und markttechnischen Kriterien. Einmal im Monat fassen sie ihre Ergebnisse zusammen.

Vom Analystenteam der DJE Kapital AG

Auch wenn die Liquidität der Märkte abnimmt, fundamental stimmt die Richtung. Die Stimmung ist allerdings schlechter als die Lage, sodass wir lieber investiert bleiben als uns durch Rücksetzer entmutigen zu lassen, uns aber defensiver positionieren.

Wir bestätigen die Kernaussagen unseres Juli-Meetings:

  • Markttechnik hat sich verbessert
  • Investitionsquote erhöht auf neutral
  • Berichtssaison fällt gut aus
  • US-Quote erhöhen, DE reduzieren
  • Euro ist bei 1,15 USD gut unterstützt
  • Chancen am Aktienmarkt noch größer als Risiken
  • Schwellenländer: Die Risiken überwiegen
  • Inflation leicht steigend
  • Sektorrotation zu defensiven Branchen

 

Die große Unbekannte
… heißt – wenig überraschend – US-Präsident Donald Trump. Das Treffen mit EU-Kommissionspräsident Junker zeigte, dass es auch im Handelsstreit zu Bewegung kommen kann. Leider kennen wir nicht die wirklichen Intentionen im Umgang mit China, aber es gibt durchaus die Möglichkeit, dass Trump einlenkt, wenn seine Verhandlungspartner Zugeständnisse machen. Das wäre aus unserer Sicht Überraschung des zweiten Halbjahres, und sie würde den Aktienmärkten sehr helfen. Wir schätzen Potenzial durch eine positive Überraschung als größer ein als die Verlustrisiken durch eine weitere Verhärtung der Fronten. Immerhin hat China wahrscheinlich auch gar nicht mehr so viele Möglichkeiten für weitere Gegenmaßnahmen.

Prämisse für einen halbwegs freundlichen Ausgang ist, dass Trump nicht das geopolitische Ziel verfolgt, China langfristig mit allen Mitteln zu schwächen, um die Vormachtstellung der USA mit aller Macht zu festigen. Wenn es ihm um einen guten Deal vor den Wahlen zum Kongress (mid-term elections) geht, dann könnte es durchaus auch Entspannung geben. Bis dahin positionieren wir uns neutral.

Abschwung – oder der Markt startet noch mal durch
Es gibt erste Anzeichen für einen übergeordneten, langfristigen Abschwung an den Aktienmärkten. Dazu zählen wir die abnehmende Marktbreite, die Sektorrotation, spätzyklische Outperformer, nachlassende Frühindikatoren und ein schwaches Geldmengenwachstum. Dennoch, es erscheint uns weiterhin zu früh, diesen Abschwung für gegeben zu halten und die Investitionsquote der Portfolios zu reduzieren. Im Gegenteil, wir halten es für möglich, dass der Markt noch einmal richtig durchstartet, wenn die politischen Belastungsfaktoren gelöst werden. Immerhin hat der Markt insgesamt dieses Jahr relativ wenig gemacht.

Zugpferde bisher: Technologiewerte
Es waren in erster Linie einige wenige Technologiewerte, die den US-Markt nach oben gezogen haben. Die US-Steuersenkungen wirken aber bei allen Unternehmen. Das kann man als spätzyklisches Warnsignal deuten – oder als Chance, weil die anderen Titel Aufholpotential haben, wenn sich Konflikte lösen und die Konjunktur hält. Denn die Technologietitel werden häufig als Titel gesehen, die einen Konjunkturschwächeschutz bieten, weil sie strukturelles Wachstum haben.

Brexit und Italien
Kurz diskutiert haben wir zu den beiden europäischen Problemfelder Großbritannien und Italien. Beim Brexit gehen wir von einer milden Lösung aus. Italien ist für uns das größere Problemfeld, aber schwieriger zu prognostizieren. Damit hängt auch mit unserer Einschätzung zum Euro zusammen. Unsere Indikatoren sprechen dafür, dass der Euro bei 1,15 gut unterstützt ist. Kaufkraftparität und die meisten Sentiments sprechen für einen festeren Euro. Die Positionierung und die Konjunkturüberraschungen sind neutral.

Fundamental

Die aktuelle Situation ist „in Ordnung“. Die Bewertung der Aktien ist hoch, aber nicht extrem. Die Bewertung der Anleihen ist unattraktiv. Die Frühindikatoren lassen zwar bereits nach, sind aber weiter expansiv. Auch in China sind die Einkaufsmanagerindizes noch über 50, und der Preis für Baustahl zieht z.B. schon wieder an. Der Immobilienmarkt in China leidet unter geringen Verkäufen (ev. fallen die Preise noch), was die Rohstoffmärkte belastet. Wir gehen davon aus, dass China bei Bedarf zügig und wirksam gegensteuern würde. Aktuell wird gerade eine Steuersenkung von 5% umgesetzt, was dem Konsum helfen wird.

Die US-Konjunktur läuft sehr rund, und auch in Europa sieht es ganz gut aus. Die deutlichen europäischen Konjunkturenttäuschungen vom Anfang des Jahres wurden verdaut. Inzwischen kommen die Daten wieder wie erwartet. Etwas enttäuschend waren die jüngsten Zahlen der deutschen Industrie. Die Kosten (z.B. Löhne) steigen bei den Unternehmen stärker, deshalb sind die Margen unter Druck. Das dürfte noch anhalten, schließlich ist der Arbeitsmarkt eng, und die Inflation legt wegen des Ölpreises leicht zu.

Der Zenit der Veränderungsraten des Ölpreises dürfte im August zunächst überschritten werden und sollte danach langsam nachlassen. Gut ist, dass die Produzentenpreise in China weiter zulegen können. Tendenziell sollte der Ölpreis weiter unterstützt bleiben, weil das Angebot wegen zu geringer Investitionen der vergangenen Jahre gering bleibt und der Iran als Lieferant vorerst ausfällt. Die Veränderungsraten lassen dennoch zunächst nach. Gefährlich für die Börse wäre ein zügig steigender Ölpreis. Dann dürften die Inflationsraten deutlich anziehen. Wir gehen von einem allmählichen, kontinuierlicheren Anstieg aus, und damit wäre die Inflation kurzfristig kein akutes Problem.

Monetär

Im Vergleich zur fundamentalen Situation ist es monetär schwieriger. In China und in den USA ist die Überschussliquidität inzwischen negativ. Allerdings sollte man die Vorlaufzeit dieser Indikatoren nicht unterschätzen. Es gab in der Vergangenheit immer wieder solche Phasen, in denen die Märkte noch weiter gestiegen sind.

Interessant, aber medial etwas untergegangen ist die Tatsache, dass die Bank of Japan inzwischen ihre geldpolitische Lockerung (quantitative easing) weitgehend eingestellt hat und „nur“ noch daran festhält, die Zinsen (mit allen Mitteln) nahe Null zu halten. Die Zinsen in den USA werden nach allem, was wir heute sehen, weiter steigen, weil es wenige Gründe für die US-Notenbank (Fed) gibt, von ihrem angekündigten Pfad abzuweichen. Das robuste Umfeld und das graduelle Vorgehen der Fed sollten auch für die Börse förderlich sein.

Solange die kurzen Zinsen steigen, steigt auch der Aktienmarkt. Mit steigenden kurzen Zinsen dürfte auch die Zinsstrukturkurve flach bleiben. Wir sehen zwar grundsätzlich Aufwärtsdruck am langen Ende (Emissionen, um fiskalisch zu stimulieren) aber gleichzeitig sind die Investoren in langfristigen Anleihen short wie selten zuvor. Das ist eine schwierige Situation, denn an überbordenden Inflationserwartungen liegt es nicht. Diese sind weiter sehr moderat. Wir gehen davon aus, dass das Chance-Risiko-Verhältnis bei US-Staatsanleihen noch mit am besten ist. Sollte es einen Auslöser geben, dann dürften die 10-jährigen Papiere stärker anziehen. Das wäre der Fall, wenn z.B. die US-Konjunktur Schwäche zeigt. Dann würden auch die defensiven Aktien profitieren, die aufgrund ihrer hohen Dividendenrendite auch als Rentenersatz gelten. Noch ist es zu früh dafür, aber wir beobachten das genau, denn das Potenzial ist groß. Von Hochzins-Anleihen raten wir ab, denn auf längere Sicht schlummern da einige Risiken.

Markttechnisch

Es ist aufschlussreich, dass in den USA das Sentiment nach wie vor sehr verhalten ist, obwohl der Markt quasi am Allzeithoch notiert – im längsten aller bisherigen Bullenmärkte. In Europa/Deutschland ist die Stimmung in einigen Umfragen sehr negativ. Es wurde sogar bereits definitive Hoch des Aktienmarktes ausgerufen. Diese Punkt-Prognose erwies sich allerdings schon zwei Tage später als falsch, denn die Kurse stiegen wieder. Unsere Antwort wäre: „Im Zweifel mit dem Trend“, und der ist nach wie vor aufwärts gerichtet.

Der DAX sieht etwas kraftloser aus als der S&P 500, aber im langen Bild stimmt es noch. Fest steht: Die meisten Anleger haben keine überzogenen Erwartungen, daher würden wir aus marktechnischer Sicht weiter dabei bleiben.

Saisonal kommen wir in eine schwächere Phase. Aber wir wollen vermeiden, uns durch die jüngste Phase von Rücksetzern entmutigen zu lassen, um dann bei vielleicht positiven Nachrichten im Handelsstreit den Anschluss zu verpassen. Daher sind wir neutral und positionieren uns weniger zyklisch.   

 

Hinweis: Alle veröffentlichten Angaben dienen ausschließlich Ihrer Information und stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Langfristige Erfahrungen und Auszeichnungen garantieren keinen Anlageerfolg. Wertpapiere unterliegen marktbedingten Kursschwankungen, die möglicherweise nicht durch das aktive Management des Vermögensverwalters oder des Anlageberaters ausgeglichen werden können. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen. Alle Angaben sind mit Sorgfalt und nach bestem Wissen entsprechend dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung gemacht worden. Trotz aller Sorgfalt können sich die Daten inzwischen verändert haben. Weitere Informationen zu Chancen und Risiken finden Sie auf der Webseite www.dje.de. Der Verkaufsprospekt und weitere Informationen sind in deutscher Sprache kostenlos bei der DJE Investment S.A. oder unter www.dje.de erhältlich. Verwaltungsgesellschaft der Fonds ist die DJE Investment S.A. Vertriebsstelle ist die DJE Kapital AG.