20.12.2018 - Märkte: FMM-Strategie

Maerkte-FMM-Strategie

Schwieriger Start ins Jahr 2019

Das Analystenteam von DJE beobachtet und bewertet die Märkte laufend anhand der hauseigenen FMM-Methode nach fundamentalen, monetären und markttechnischen Kriterien. Einmal im Monat fassen sie ihre Ergebnisse zusammen.

Vom Analystenteam der DJE Kapital AG

Der Start ins neue Jahr dürfte ähnlich schwierig werden wie die vergangenen Wochen, und wir rechnen darüber hinaus auch mit einer weiterhin schwachen Entwicklung in den nächsten Wochen. Der deutsche Aktienmarkt ist schon deutlich zurückgegangen, in den USA ist die Fallhöhe der Aktienkurse allerdings noch beträchtlich. Insofern möchten wir erst wieder stärker in den Markt gehen, wenn wir mehr positive Faktoren sehen. Das fällt uns im Moment für die nächsten zwei Monate schwer. Auf Sicht von zwölf Monaten sind wir optimistischer, denn strukturell bleiben Aktien interessant.

Fundamental

  • Wir sehen erhebliche Risiken im Anleihemarkt. Schon jetzt sind zahlreiche Anleihen unverkäuflich, weil überhaupt kein Handel zustande kommt. Wir sollten bei Unternehmensanleihen eine sehr kurze Duration anstreben und bei Staatsanleihen auch gerne etwas länger.
  • Auch unsere Fonds leiden unter den schwachen Kursen bei Unternehmensanleihen, doch der Geld- und der Brief-Kurs liegen weit auseinander. Wir sind zum Glück sehr kurz in den Laufzeiten und können viele Titel aussitzen.
  • Inzwischen gibt es sogar in Europa wieder einige Anleihen zu halbwegs attraktiven Renditen, allerdings ist es nicht einfach, sich an den Emissionen auch daran beteiligen zu können. Die Preise hier sind also oft theoretischer Natur
  • Wirklich fundamental ist der Effekt der steigenden Refinanzierungskosten für die Unternehmen. In gewisser Weise befinden wir uns damit in einer neuen Welt, denn in den vergangenen Jahren sind Finanzierungskosten stetig günstiger geworden.
  • Auf mittlere Sicht sehen wir eine große Gefahr durch Kreditausfälle im bei Hochzinsanleihen (HY). Bisher haben sich die Unternehmensanleihen nur schwach entwickelt, aber Ausfälle hat es noch nicht nennenswert gegeben. Mit schwächerer Konjunktur, rückläufigen Ölpreisen (viele HY-Bonds im Ölsektor), steigenden Spreads und teurerer Refinanzierung werden Ausfälle wahrscheinlicher. Die Unternehmensverschuldung in den USA könnte ein größeres Problem werden, nicht zuletzt wieder für europäische Investoren, die in ihrer Suche nach Rendite in den USA ihr Heil gesucht haben.
  • Viele Investoren sind in Anleihe-ETFs investiert. Ziehen die ihre Gelder ab, dann belastet das massiv die Kurse. Wenn ETF-Anbieter die HY-Anleihen nicht verkaufen können, dann shorten sie als Proxy den Aktienmarkt. Das lastet damit auch auf den Aktienkursen. Wir halten es nicht für ausgeschlossen, dass ETF-Anbieter die Rücknahme von einzelnen ETFs auch mal aussetzen.
  • Die wesentlichen Gründe für den schwachen Aktienmarkt kennt inzwischen jeder auswendig: Handelskonflikt, Brexit, Italien, Wachstum in China, Schwäche im Autosektor, Sättigung im Smartphonemarkt. Beim Handelskonflikt gehen wir nicht von einer schnellen Einigung aus, wir glauben aber, dass sich der Fall um die Huawai-CFO zügig auflösen wird. Beim Brexit halten wir ein neues Referendum für wünschenswert, allerdings dauert es bis dahin noch. Italien wird unseres Erachtens nicht für positive Nachrichten sorgen, aber irgendeine Einigung wird man mit der EU finden. Der wirklich positive Trigger wäre China. Hier müsste es Ankurbelungen geben, damit der Rest der Welt wieder Tritt fasst.
  • Die Frage ist, warum nicht schon mehr für die Konjunktur in China getan wird. Wahrscheinlich ist es noch nicht so schlimm und Präsident Xi muss sich auch nicht um seine Wiederwahl sorgen. Wir würden eine Incentivierung für die Autoindustrie befürworten. Die Autoindustrie hatte erstmals in 20 Jahren ein rückläufiges Wachstum zu verzeichnen und die letzten Absätze waren mau. Die nächsten Vergleichsdaten werden vorerst schwer zu schlagen sein.
  • Der Immobilienmarkt in China sendet auch noch keine positiven Signale. Nach dem, was wir im Moment von unseren Indikatoren sehen, schwächt sich die Lage weiter ab.
  • In allen Weltregionen schwächen sich die Gewinnschätzungen für 2019 bereits deutlich ab. Die USA halten sich erwartungsgemäß noch am besten.
  • Konjunkturell wird die Vergleichsbasis im Wirtschaftswachstum in Deutschland und Europa in Q1 und Q2 noch schwer zu schlagen sein (auch bei der Industrieproduktion). Nimmt man an, dass die Börse solche Entwicklungen 6 Monate vorweg nimmt, dann besteht Anfang des Jahres die Möglichkeit, dass der Markt dreht. Zunächst halten wir aber eine Nachricht im Januar für wahrscheinlich, dass Deutschland in der Rezession steckt. Nach dem rückläufigen Q3 müsste nur noch das Q4 schwächer sein als das Q3, dann wäre die Definition erfüllt. Nachdem die großen zyklischen Branchen derzeit hart zu kämpfen haben, sehen wir die Gefahr für ein zweites rückläufiges Quartal in Folge. Zunächst würde so eine Nachricht negativ wirken, gäbe dann aber auch die „Chance“ für eine Bereinigung.
  • Ein ganz wichtiger Aspekt sind die Ausblicke der Unternehmen. Mit größter Wahrscheinlichkeit lässt sich heute schon sagen, dass die Ausblicke sehr vorsichtig formuliert werden dürften und somit in Q1 keinen Rückenwind für die Aktien darstellen werden.
  • Die Bewertung sieht in Deutschland gar nicht so verkehrt aus. Zur eigenen Historie ist man heute immerhin neutral bewertet. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis spricht bei aktueller Bewertung für ein Kurspotenzial von 15%. Deutschland ist inzwischen auch gegen Frankreich deutlich günstiger bewertet.
  • Vom Momentum und der Bewertung sehen vor allem die Schwellenländer in Asien sowie Hongkong und Singapur interessant aus.

 

Monetär

  • Aufgrund der sich abschwächenden konjunkturellen Lage sehen wir sinkenden Druck auf die US-Notenbank, die Zinsen weiter anzuheben
  • Die Inflation dürfte sich mit dem aktuellen Ölpreis deutlich abschwächen. Auch ohne den jüngsten Rückgang wäre der positive Effekt gering gewesen, aber mit dem Rückgang gehen wir von einer Inflation knapp über 1% in den nächsten Quartalen aus.
  • Anders als zu Beginn 2018 sind die Notenbanken für 2019 eigentlich eine Unterstützung, denn sie werden in ihrem Kurs lockerer werden (müssen), nachdem sie in diesem Jahr noch versucht haben, auf die Bremse zu treten.
  • Ärgerlich ist der oft beobachtete Zusammenhang, dass die Märkte nach dem letzten Zinsschritt eigentlich fallen, das spricht für Vorsicht.
  • Für den Euro/USD dürfte es positiv sein, wenn die Zinsen in den USA nicht weiter steigen. Auf der anderen Seite gibt es in der Eurozone immer wieder neue Großbaustellen, die die Währung unter Druck bringen können. Zudem wird der Dollar eigentlich stärker, wenn die Konjunktur schwächelt. Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass zunächst bei 1,13 eine gute Unterstützung durch Markttechnik und Kaufkraft für den Euro besteht.

 

Markttechnisch

  • Die Indikatoren sind überwiegend schon im sehr pessimistischen Bereich, allerdings ist keine Panik oder komplette Bereinigung zu erkennen.
  • Die Investitionsquoten haben noch Spielraum nach unten.
  • Einen kleinen Hoffnungsschimmer hat die jüngste Sentix-Umfrage gegeben. In Deutschland ist die Lage schon ziemlich verzweifelt und es zeigen sich wieder erste strategische Käufer.
  • Bilanzverschönerungen zum Jahresende könnten schwache Titel noch einmal belasten. Zumindest werden sich die Marktteilnehmer da nicht stärker engagieren. Eine Erholung bei zahlreichen Titeln, die wir haben, dürfte erst 2019 eintreten.
  • Die flache Renditestrukturkurve wird bereits das gesamte Jahr diskutiert und viel stärker beachtet als früher. Inzwischen wird die negative Indikatorfunktion selbsterfüllend.
  • Nur noch 19% der Aktienmärkte haben eine steigende 200-Tage-Linie. Das ist ein schlechtes Zeichen für den generellen Trend.
  • Beim S&P wird die Marke von 2.600 Punkten viel beachtet. Wenn die unterschritten werden, dann gibt es weiteren Verkaufsdruck.
  • Die Aktienrückkäufe sind auf sehr hohem Niveau. Diese Raten zu steigern wird im Laufe des nächsten Jahres kaum möglich sein, das dürfte Rückenwind nehmen. Zunächst halten die hohen Rückkäufe aber noch an.

 

Hinweis: Alle veröffentlichten Angaben dienen ausschließlich Ihrer Information und stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Langfristige Erfahrungen und Auszeichnungen garantieren keinen Anlageerfolg. Wertpapiere unterliegen marktbedingten Kursschwankungen, die möglicherweise nicht durch das aktive Management des Vermögensverwalters oder des Anlageberaters ausgeglichen werden können. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen. Alle Angaben sind mit Sorgfalt und nach bestem Wissen entsprechend dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung gemacht worden. Trotz aller Sorgfalt können sich die Daten inzwischen verändert haben. Weitere Informationen zu Chancen und Risiken finden Sie auf der Webseite www.dje.de. Der Verkaufsprospekt und weitere Informationen sind in deutscher Sprache kostenlos bei der DJE Investment S.A. oder unter www.dje.de erhältlich. Verwaltungsgesellschaft der Fonds ist die DJE Investment S.A. Vertriebsstelle ist die DJE Kapital AG.