16.01.2019 - Märkte: Brexit

Maerkte-Brexit

Brexit: Indirekter Gewinner der Situation könnte Italien sein

Von Dr. Jens Ehrhardt

Die Ablehnung des Austrittsvertrags durch das britische Parlament ist eigentlich ein Non-Event für die Börse, denn allgemein wurde damit gerechnet, dass das Unterhaus Theresa Mays Brexit-Vorschlag ablehnt. Unerwartet war nur die große Ablehnung.

Am Mittwoch wird auf Antrag der Labour-Party die Vertrauensfrage gestellt. Viele Abgeordnete wollen aber eine Neuwahl vermeiden, denn sie haben Angst, bei einer Neuwahl ihren Sitz zu verlieren. Labour-Chef Jeremy Corbyn wäre außerdem sehr negativ für die britische Börse. Daher wird May als Premierministerin voraussichtlich im Amt verbleiben können bzw. der Misstrauensantrag wird abgelehnt werden. Fällig ist dann der Plan B, der bis Montag (innerhalb von drei Tagen) vorgelegt werden muss.

Möglich ist der Vorschlag, dass man Brüssel bitten wird, das Brexit-Datum, das eigentlich am 29. März 2019 gewesen wäre, zu verschieben. Es ist damit zu rechnen, dass Brüssel hier zustimmt. Damit ist das Problem aber nur verschoben und die Unsicherheit bleibt. Die EU hat Nachverhandlungen abgelehnt, besonders Frankreich ist hier der härteste Gegner Großbritanniens. Denkbar wäre auch, dass die Regierung ein neues Referendum vorschlägt. Bei den Umfragen haben diejenigen, die in der EU verbleiben wollen, eine kleine Mehrheit von gut 1%. Wie die unzutreffenden Umfragen vor dem Brexit gezeigt haben, sind entsprechende Untersuchungen aber in Großbritannien wenig zuverlässig.

Auswirkungen auf britische Aktien (analytisch preiswert und von den Anlegern wenig investiert, was markttechnisch günstig ist) oder Auswirkungen auf das Britische Pfund sind also vorläufig nicht zu erwarten. Indirekter Gewinner der Situation könnte Italien sein. Die EU kann sich nicht leisten, eine weitere Baustelle mit einem Verfahren gegen Italien einzuleiten.

Im Übrigen gab es in der Geschichte der EU bereits 27 Vertragsverletzungsverfahren, die alle im Sande verliefen. Da Italien wahrscheinlich in diesem Jahr nur 0,3% wächst, wäre eine fiskalpolitische Stimulierung sinnvoll. Hinzu kommt, dass Italien in den letzten 10 Jahren ohne Ausnahme 1-2% weniger Neuverschuldung aufwies als Frankreich. Aus dieser Sicht machen italienische 10-jährige Staatsanleihe-Zinsen von fast 3,9% gegenüber 0,6% in Frankreich keinen Sinn. In den letzten 20 Jahren seit Euro-Einführung hat Italien die Verschuldungsquote um 10% erhöht, Frankreich dagegen von 50% auf 100% verdoppelt.

 

 

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